Am 17.2.1600 wurde in Rom Giordano Bruno auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Er war aufgrund seiner Naturphilosophie in Häresieverdacht geraten. Mit diesem Prozess ging eine dreifache Wende einher:
Vor Bruno hatte schon Kopernikus das heliozentrische Weltbild vertreten, das er aufgrund von wissenschaftlichen Beobachtungen der Planetenbahnen als das »Richtige« herausgefunden hatte. Diese Entdeckung erschütterte das gesamte Weltbild der damaligen Gesellschaft. Der Mensch wurde aus dem Zentrum der Welt gerückt. Es wurde das Bild der Schöpfung in Frage gestellt und auch die bisher betriebene deduktive Wissenschaft. Nun wurde nicht mehr deduktiv von Gesetzen auf Naturgegebenheiten geschlossen, sondern die neuen Stichworte lauteten: Naturbeobachtung und Experiment. Aufgrund dieser beiden Erkenntnisquellen wurden Gesetze aufgestellt.
Auch Kepler und Galilei vertraten diesen neuen Typ der Naturwissenschaft und das heliozentrische Weltbild. Obwohl Galilei noch widerrufen musste, hat letztendlich die Kirche den Kampf um das Weltbild verloren. Der Mensch muss sich damit abfinden, nicht der Mittelpunkt der Welt zu sein.
René Descartes (1590-1650) stammte aus einer adeligen Familie. Er war der erste Philosoph der Neuzeit, der nur in und für seine Philosophie lebte. Sein Leben schwankte zwischen Weltabgewandtheit und Weltzugewandtheit. Seine große Leidenschaft war die Mathematik. Eines seiner wichtigsten Werke ist ein Werk über die Metaphysik, in dem er den radikalstmöglichen Zweifel vertritt. Alles gerät ins Wanken, nur das Subjekt selbst bleibt, das zweifeln kann: »Cogito, ergo sum.« Auf der Basis des denkenden Subjektes wird die gesamte Philosophie und Theologie wiederaufgebaut. Nur weil Gott existiert, kann der Mensch sich selbst denken.
Auch wenn auf diese Weise die Theologie wieder mit der Philosophie verknüpft wurde, entwickelte sich in späterer Zeit eine von der Theologie völlig unabhängige Philosophie heraus. Es werden menschliche Dinge nicht von der Offenbarung her deduziert, sondern die Hauptquelle der Erkenntnis ist die Vernunft. Neben Descartes war an dieser Entwicklung Baruch de Spinoza (1632-1677) beteiligt. Die Konkurrenz von Geist und Materie, wie sie Descartes vertrat, überwand Spinoza durch einen Pantheismus1.
Hugo Grotius (1583-1645) übernahm die cartesischen Gedankengänge in die Rechtsphilosophie. Er schenkte dem natürlichen Recht wieder eine neue Bedeutung.
In den Prozessen gegen Bruno und Galilei wurde deutlich, dass die Kirche nicht das alleinige Deutungsmonopol besaß. So traten in der Folgezeit Kirche und Christentum auseinander. Die vollständige Unterwerfung unter die Herrschaft einer Kirche war in der Folgezeit für das Christsein nicht mehr notwendig. Das Individuum allein war plötzlich fähig, Christ zu sein. Damit ging unter anderem auch ein extremer Macht- und Bedeutungsverlust der Kirche einher. Neue, individuelle Frömmigkeitsformen entstehen.
1 Hierzu der Text 11 in der Quellensammlung.