Gerade vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Kriegs kam es im Barock zu einer spezifischen Form der Frömmigkeit. Sie ist gekennzeichnet durch ein tiefes Gottvertrauen gerade in der Verzweiflung. Ein letztes Mal wurde eine Frömmigkeitsrichtung allgemeines Phänomen einer ganzen Gesellschaft.
Dichter und Dichtung waren in der Barockzeit ganz eng mit dem Leben der Gesellschaft verknüpft und waren Spiegel der Frömmigkeit. Andreas Gryphius (1616-1664) war einer der Wichtigsten unter diesen Dichtern.
Die barocke Frömmigkeit wendet sich dem Inneren des Individuums zu. Bibellektüre ist ebenso fester Bestandteil des frömmigkeitlichen Lebens wie das Lesen von Erbauungsschriften und der Gottesdienst am Sonntag. Täglicher Begleiter ist der Tod, dem nicht ausgewichen wird, sondern der drastisch dargestellt wird. Besonders die Kruzifixe des Barock sind Zeugen dieser drastischen Todesdarstellungen. Die Leichenpredigt tritt als neuer Teil dem liturgischen Leben hinzu. Diese besteht zunächst aus einem Lob des/der Verstorbenen, dann aus einem pastoralen Teil über Leben, Tod und Auferstehung im Allgemeinen, der oft kaum mit dem ersten Teil verbunden ist. Leichenpredigten wurden oft zu allgemeinen Erbauungsschriften.
Das Berufsbild des Pfarrers wandelte sich vom Lehrer zum Seelsorger. Mit der Reformation waren die Pfarrer gebildete Akademiker geworden, die als »Lehrer« der Gemeinde fungierten. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Pfarrer auch ein Vorbild für die Gemeinde, was seine Lebensführung betraf und er wurde zum Seelsorger. Diese Seelsorge ist auf einen spezifisch barock-deutschen Seelenbegriff ausgerichtet und daher ein Spezifikum des deutschen Protestantismus. Auch die Pastorenzentriertheit der Gemeinden entwickelt sich in der Barockzeit.
Paul Gerhard ist bis heute von bleibender Bedeutung für die Kirche und ihren Gottesdienst. Das Kirchenlied als Transportmittel von Glauben ist für ihn wichtig: gebunden an das Gesangbuch trägt die Gemeinde den Gesang des Gottesdienstes in der Muttersprache. Die Verarbeitung des Dreißigjährigen Kriegs erfolgt in Liedern, ebenso werden Lieder als Ausdruck individueller Frömmigkeit wahrgenommen.
Paul Gerhards Leben ist relativ unscheinbar verlaufen. Er stammte aus Gräfenhainichen und war Landpfarrer. Seit 1628 studierte er bis 1642 Theologie in Wittenberg, es gibt über seine Zeit dort kaum Quellen. Ab 1643 war er Privatlehrer in Berlin und ab 1651 Probst in Mittenwalde. 1655 vermählte er sich mit der Tochter seines ehemaligen Arbeitgebers und war ab 1657 Pfarrer in St. Nicolai zu Berlin. Bis 1662 war Johann Crüger dort Kantor, der einen Großteil seiner Dichtungen vertonte. Ab 1662 bis 1668 war der Kantor Johann Georg Ebeling, der ebenfalls Gerhards Lieder vertonte. Ab 1668 wurde die Situation in Berlin für Paul Gerhard unhaltbar und er wurde Pastor in Lübben/Niederlausitz.
Schütz stammte aus Bad Köstritz bei Gera. Er ging zur Ausbildung nach Weißenfels in Hessen. In Italien lernte er die Musik kennen. Danach lebte er in Kassel und blieb ab 1617 bis zu seinem Tod als Oberhofkapellmeister in Dresden. Dort stand er im regen Kontakt mit Musikern und Theologen aus ganz Europa.
Sein Verdienst ist die Verbindung von protestantischer Theologie mit weltlicher Musik. Das geistliche Konzert ist seine Schöpfung, in dem die Vertonung ganz im Dienst der Verkündigung steht und diese unterstützt. Haupt-Transportmittel sind Rezitative und reflexive Arien. In Schütz’ Dichtung spielt das Leiden eine große Rolle, vor allem das Leiden Christi.
Er knüpft an Passions- und Osterspiele des Mittelalters an. Von ihm stammen u. a. folgende Werke:
Silesius ist einer der sprachgewaltigsten Dichter der Barockzeit. Er hieß bürgerlich Johann Scheffler und stammte aus niederem Adel in Breslau. Er studierte in Straßburg, Leiden und Padua Medizin. 1653 konvertierte er zum Katholizismus. Ab 1654 war er Leibarzt des deutschen Kaisers. 1661 ließ er sich zum Priester weihen. Von ihm stammt EG 401.