Geographisch wird differenziert: die Kirchen des Ostens sind diejenigen des Ostteils des Imperium Romanum. Dazu gehören vier der fünf antiken Patriarchate (Ausnahme: Rom!):
Die drei letzten Patriarchate waren bereits seit dem 7. Jahrhundert arabisch und seit dem Konzil von Chalcedon 451 gespalten in Byzantiner und Altorientale. Der Begriff »orthodox« wird oft angewandt auf die byzantinisch-orthodoxen Kirchen. Die Ostkirchen sind nicht so streng hierarchisch auf einen Stuhl hin organisiert wie die römisch-katholische Kirche, genausowenig aber in ihren Einzelkirchen so autonom wie die protestantischen Kirchen. Sie sind autokephal, das heißt, jede Gliedkirche besitzt ihren eigenen Patriarchen. Unter den Patriarchen hat der Patriarch von Konstantinopel einen Ehrenvorrang.
Der Bischof von Konstantinopel hatte über Jahrhunderte hinweg unglaubliche Bedeutung als zweiter Teil der Doppelspitze des oströmischen Reiches. Dies änderte sich im Jahr 1453 dramatisch, als Byzanz von den Türken erobert wurde. Der Patriarch blieb dort, ihm wurde allerdings die Hagia Sofia genommen. Nach einigen Umzügen wurde die Hagios Georgios Kirche im Stadtteil Phanar der Sitz des Patriarchen. Der Staat wurde durch das Millet-System neuorganisiert, die Volksstämme wurden in relativer Toleranz nebeneinander gestellt. Der ökumenische Patriarch wurde millet-basi (»Präsident«) der byzantinisch-orthodoxen Christen im gesamten osmanischen Reich (rum-milleti). Es gab eine starke Tendenz, die Kirche zu gräzisieren. Konversionsdruck wurde nicht ausgeübt, allerdings wurde das Millet-System auch problematisch: auch Ägypter und Armenier und andere Völker wurden unter eine einzige Regierung gestellt. Daher wurde im Jahr 1461 ein eigenes Patriarchat für die altorientalischen Kirchen, die ermeni-milleti eingerichtet.
Nach dem Schisma von 1054 wurden immer wieder Versuche unternommen, diese Trennung zu überwinden. Im vierten Laterankonzil von 1215 wurde dies genauso erfolglos versucht wie beim Konzil von Lyon 1274. Eine Union ergab sich beim Konzil von Basel-Ferrara-Florenz 1438/9. Nachdem diese Union nach der Eroberung von Byzanz nicht erfolgte, kam es erst im 16. Jahrhundert wieder zu Unionsbestrebungen. In Brest-Litowsk wurde auf einer Synode der Metropolie der orthodoxen Kirche in Osteuropa, Kiew, aufgrund der Erhebung der Metropolie Moskau zum Patriarchat 1589 1595, sich der Jurisdiktion des Patriarchats Rom zu unterstellen. Eine Gesandtschaft wurde von Papst Clemens VIII. empfangen und die Union wurde angenommen, mit der einzigen Bedingung, den Primat des Papstes anzuerkennen. Die Chrysostomosliturgie durfte ebenso wie die Priesterehe beibehalten werden. 1596 kam es zur Verkündigung der Union durch die Synode von Brest-Litowsk. Auf einer Gegensynode, die vor allem vom polnischen Adel getragen wurde, wurden die »Unionisten« exkommuniziert, diese wiederum exkommunizierten die Gegensynode. Der polnische König stellte sich auf die Seite der Unionisten, die Union wurde weitestgehend durchgesetzt gegen den Adel. Sitz der unierten Metropolie wurde Lemberg (Lwow). Nach den Teilungen Polens ergab sich die komplizierte Situation, dass drei Kirchen blieben: die röm.-kath., die unierte und die orthodoxe Kirche.
Der Union von Brest-Litowsk folgten bis ins 18. Jahrhundert noch weitere, alle erzeugten dasselbe konfessionelle Chaos. Einzeln zu nennen wäre noch die Union von Uzhorod/Ukraine.
In der Reformation wurde erneut ein Rückgriff auf die orthodoxe Kirche unternommen. Melanchthon hatte eine griechische Übersetzung der CA nach Konstantinopel gesandt. 1573 besuchte Stephan Gerlach aus Tübingen Konstantinopel und es kam zu einem Briefwechsel, der nach kurzer Zeit allerdings abbrach.
Kyrillos Loukaris wirkte zunächst in Polen gegen die Brest-Litowsker Union. Dann wurde er Patriarch von Alexandrien, wo er über niederländische Kaufleute Kontakt zum Calvinismus und Anglikanismus bekam. Ab 1620 war er ökumenischer Patriarch, war aber höchst umstritten, nicht zuletzt wegen seiner confessio fidei von 1629, in der er die orthodoxe Dogmatik mit dem Calvinismus zusammenbrachte. Er ließ eine Übersetzung der Bibel ins Neugriechische anfertigen. 1636 wurde er unter bis heute völlig ungeklärten Umständen erdrosselt.
Petrus Mogila stammte aus Moldawien und war Archimandrit des Höhlenklosters von Kiew. Er war ebenfalls Gegner der Union und verfasste einen Katechismus, in den er auch westliche Theologie mit einarbeitete. Dies tat er aber so diplomatisch, dass ihm kein Schicksal wie Loukaris bevorstand.